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Kreis Paderborn. Zwischen dem Fußballplatz des SV Sudhagen am Rotdornweg und dem Lippestadion des SuS Boke liegt eine Wegstrecke von nur vier Kilometern. Ein Meisterschaftsspiel aber haben die beiden Klubs schon lange nicht mehr ausgetragen. Sudhagen spielt im Fußballkreis Paderborn; Boke tritt im Fußballkreis Büren an. Dieses Delbrücker Ortsderby aber könnte in drei oder vier Jahren wieder auf dem Spielplan stehen. Denn die Fusion der beiden Sportkreise rückt näher.
Beim Verbandstag des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) am 12. Juni wird eine Kommission eingesetzt, die eine Reform der Kreisstrukturen anstoßen soll. „Das Thema brennt uns auf den Nägeln“, sagt Hermann Korfmacher. Der FLVW-Präsident hatte schon auf dem Kreistag der Bürener Klubs in der Wewelsburg für das Projekt geworben (die NW berichtete). Der Verband plant, die Sportkreise den politischen Kreisen anzupassen. Von den aktuell 33 Kreisen in Westfalen blieben dann 26 übrig. Paderborn und Büren würden fusionieren.
Die aktuellen Kreisvorsitzenden sind mit den Plänen bestens vertraut. „Die Fusion wird kommen. Nun kommt es allein auf die Vorgehensweise an“, sagt Siegfried Hornig. Der Paderborner „KV“ ist davon überzeugt, dass die Reform „in den nächsten drei Jahren über die Bühne geht.“ Widerstand aus dem Kreis erwartet er nicht. „Im Mädchen- und Frauenbereich arbeiten beide Kreise schon sehr erfolgreich gemeinsam“, berichtet Hornig.
Manfred Schnieders macht auf die gelungene Kooperationen im Leichtathletik-Bereich aufmerksam. „Was dort funktioniert, sollte auch im Fußball möglich sein“, erklärt der Bürener Kreisvorsitzende und weist auf eine Prämisse der Reform hin: „Die Lokalderbys dürfen nicht verschwinden.“
So ist bereits klar, dass es im neuen Kreis zunächst zwei A-Ligen geben wird. „Wir werden die vorhandenen Strukturen nicht zerstören“, betont Schnieders. „Ich könnte mir eine A-Liga Nord und eine A-Liga Süd vorstellen“, sagt Hornig. „Wir müssen den Fußball noch interessanter machen“, umreißt der designierte FLVW-Vizepräsident Schnieders ein Ziel der kommenden Jahre. Relegationsspiele oder Play-Off-Runden seien denkbar. So könne auch über den Aufstieg in die Bezirksliga entschieden werden. Denn ob der neue Fußballkreis nach einer möglichen Reduzierung der Zahl der Bezirksligen tatsächlich noch zwei Aufsteiger stellt, steht in den Sternen.
Bei der Kreisreform liegt das besondere Augenmerk auf den Klubs, die nach der Kommunalreform von 1975 in den Sportkreisen Paderborn und Büren verblieben waren, obwohl politisch neue Grenzen gezogen wurden. Die Vereine aus Stukenbrock, Geseke, Meerhof, Essentho und Oesdorf führen derzeit solch ein „Zwitterdasein“ und müssen sich dennoch nicht sorgen. „Wir werden auf historische Verbindungen Rücksicht nehmen“, sagt Korfmacher. „Diese Dinge werden mit den Beteiligten vor Ort besprochen“, betont Schnieders. „Wir machen nichts über die Köpfe der Vereine hinweg“, verspricht Hornig.
Beide Kreisvorsitzenden haben auch die demographische Entwicklung im Blick. Die aktuellen Zahlen mit 9.358 Fußballerinnen und Fußballern in 449 Mannschaften im Kreis Paderborn und 6.920 (326 Mannschaften) im Kreis Büren sind vorzeigbar. Dennoch sind die Zahlen in einzelnen Bereichen bereits rückläufig. So hat der Kreis Büren von den im Jahr 2004 noch aktiven 3.351 Männern in den letzten sechs Jahren über 400 Kicker verloren. „Wir werden auf Dauer Ligen zusammenlegen und verkleinern müssen“, betont Schnieders und will gleichzeitig den Fußball vor Ort behalten. „Ein Dorf ohne Fußball darf es nicht geben“, sagt der Kreisvorsitzende. Der möchte schließlich ein Nachbarschafts-Derby wie zwischen Sudhagen und Boke nicht missen.
Quelle: Neue Westfälische Jochem Schulze (Ausgabe v. 08.05.2010)
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